Frank Winkels im Interview

Hauptdarsteller Frank Winkels: „Würde Luther heute vielleicht den Vogel zeigen“

Als kleiner Junge im Kirchenchor hätte er sich nicht träumen lassen, dass er mal den berühmten Reformator auf den ganz großen Bühnen der Republik singen würde: Mit dem Pop-Oratorium Luther war Frank Winkels im Reformationsjahr 2017 bei rund 30 Aufführungen in 20 Städten zu sehen. Das ZDF zeigte im Abendprogramm des 31. Oktober die Berliner Aufführung, die zwei Tage vorher in der Mercedes-Benz-Arena stattgefunden hatte. Eckart von Hirschhausen moderierte – und über 1,7 Millionen Fernsehzuschauer waren dabei. Auch bei der aktuellen, letzten Tour des Stückes durch Süddeutschland rund um den Reformationstag 2018 gibt er noch einmal den Luther. Obwohl er mit dem Begründer des Protestantismus bis heute nicht immer einer Meinung ist. Der Wahl-Hamburger erzählt, wie sich das Singen mit einem 4000 Stimmen starken Chor anfühlt und warum er mit Luther doch lieber keinen Kaffee trinken würde.


Wie kam es dazu, dass du den Luther singst?
Dieter Falk, der das Stück geschrieben hat, kennt mich schon von seiner vorherigen Produktion „Die zehn Gebote“, bei der ich mitgesungen hatte. Er hat mich angesprochen: „Du, wir machen jetzt den Luther, bewirb dich doch mal.“ Also habe ich mich beworben und bekam zunächst die Unterlagen für Froben, den Buchdrucker zugeschickt. Kurz danach kam eine Nachricht von Dieter. Er hatte sich mit seiner Frau beraten und die hat gesagt: „Dieter, du musst den Frank als Luther casten!“ Also hat er mir das Material für Luther zugeschickt. Und schon als ich es gelesen hatte, habe ich gedacht: Das passt! Also, alles andere hätte auch gepasst, aber der Luther, der hat mich schon angepiekst. Ich habe mich vorbereitet und bin zum Casting gegangen. Da war dann auch Michael Kunze, der die Texte geschrieben hat, ich habe die Songs gesungen, und als wir fertig waren, hat er sehr zustimmend genickt. Dieter hat mich mit einem breiten Grinsen angelächelt, und ich hatte so ein Gefühl: Ja, das könnte passen. Am Tag drauf kam der Anruf von Dieter: „Frank, wir wollen, dass du den Luther machst.“ Da habe ich mich natürlich sehr gefreut.


Kanntest du den Reformator denn schon?
Viel wusste ich nicht mehr aus der Schule. Ich habe mich mit Büchern und Youtube-Videos auf die Rolle vorbereitet. Heute weiß ich natürlich viel mehr. Auch über die Seiten von Luthers Leben, die ich sehr kritisch sehe – Stichwort: sein Fremdenhass und seine Judenfeindlichkeit – und die mich erst mal geschockt haben. Doch auch wenn er kein perfekter Mensch war: Was er vorangetrieben und in die Gänge gebracht hat, das war enorm wichtig. Das Lied „Selber denken“ etwa ist ein guter Anlass sich klar zu machen, dass man Dinge nicht für bare Münze nehmen, sondern immer wieder auch für sich selber kritisch betrachten und schauen muss: Passt das für mich? Ist es das, was ich denke, was ich fühle?


Seid ihr Freunde geworden, der Luther und du?
Sagen wir so: Wir verstehen uns. Aber ich weiß nicht, ob ich mit Luther einen Kaffee trinken gehen würde. Er hat einige Seiten, für die ich ihm doch wahrscheinlich in der heutigen Zeit den Vogel zeigen würde. Neben der Fremdenfeindlichkeit auch seine Einstellung Frauen gegenüber. Dass er eben – sehr grob überspitzt –  gesagt hat: Als Gebärmaschine sind sie gut, aber zu sonst nix zu gebrauchen. Ich finde gerade in der heutigen Zeit das respektvolle Miteinander sehr wichtig. Dass man nicht einfach mitschwimmt mit der Masse und – über das Religiöse hinaus – die politischen Entwicklungen nicht einfach hinnimmt und akzeptiert. Dass man sich schlau macht und informiert, auch über die normalen Tagesschauthemen hinaus. Eben den Grundgedanken von Luther aufgreifen und selber denken: Das ist der Punkt, an dem wir beide uns einig wären, wenn wir denn doch einen Kaffee zusammen trinken würden.


Luther war ja schon mal in Augsburg. Vor ziemlich genau 500 Jahren. Und du?
Ich war schon überall (lacht). Auch in Freiburg, da hatte ich zwei Produktionen mit der Young Opera Company. Das hat mir damals gut gefallen. Ein schönes Städtchen, das kulturell viel zu bieten hat, sehr offene und begeisterungsfähige Menschen. Überhaupt mag ich den Süden gern – schon des besseren Wetters wegen. Aber auch wegen der Leute. Meine Schwester lebt in München, ich war gerade wieder da und hatte das Gefühl, dass man sehr schnell und gut in Kontakt kommen kann und sehr freundlich aufgenommen wird auch von Menschen, die man noch nicht so lange kennt.


Was ist das Besondere an der Arbeit mit einem so großen Chor?
Man merkt: Die Chorsängerinnen und -sänger, die brennen. Es ist ja für sie etwas ganz Spezielles, das sie üblicherweise mit ihren Chören in dieser Form nicht erleben. Aber auch für uns Darsteller: Man arbeitet sonst mit einem Opern- oder Theaterchor von 20, 30 Leuten, für die das ja tägliches Brot ist und auch nichts Neues. Bei den Chorsängerinnen und -sängern, die sich auf so ein großes Projekt einlassen und schon lange im Vorfeld bei Proben darauf vorbereiten, spürt man eine sehr große Begeisterung und Neugier – auch auf die Darsteller und das ganze Konstrukt rund um eine Aufführung; es ist eine sehr spezielle Form des Miteinander. Auch wenn es abgedroschen klingt: Ich kenne beide Seiten, ich bin selbst im Chor gestartet. Bevor ich in die künstlerische Richtung gegangen bin, habe ich im Kirchenchor gesungen und im Gospelchor. Dieses Miteinander-Singen ist schon etwas Besonderes. Und dann auch noch in einer Größenordnung wie hier, mit der Botschaft von Luther, die man da gemeinsam sendet, und obendrein im musikalischen Mix aus Gospel, Pop und Choral – das ist etwas ganz, ganz Kraftvolles!


Wie ist das, wenn man als Solist vorne steht und diese Kraft im Rücken hat?

Man ist auf der Welle! Und man wird auf dieser Welle getragen durch die Energie, die da von hinten kommt, die einem noch mal einen besonderen Schub Energie gibt. Obwohl man die eigentlich sowieso schon hat, wenn man auf der Bühne steht. Aber dieser Riesen-Chor hebt das Ganze noch mal auf ein ganz anderes Level. Und er singt nicht nur, er ist ja auch in einer spielerischen Funktion auf der Bühne: Man sieht das Volk spielen, wenn Luther kommt und zum ersten Mal vor den Menschen spricht. Das ist auch für mich als Darsteller etwas Tolles, wenn man eben wirklich zum Volk sprechen kann und merkt, die Menschen um einen herum sind mit einem und bei einem. Das hilft mir bei meiner Rolle, und gibt natürlich auch einen guten Bezug, wie es damals für Luther gewesen sein mag, vor so vielen Menschen zu sprechen und diese Menschen, die da vor einem stehen, überzeugen zu wollen.

Dem Evangelium glauben, löset von Sünden.

Martin Luther

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