H - Heilige

Viele Jahrhunderte gehörten sie zu den Besten in der christlichen Kirche: Märtyrer und Heilige, die durch ihre unbestechliche Glaubenstreue zu Vorbildern für die späteren Generationen geworden sind. Ganz zu Anfang stand Stephanus, der erste Märtyrer, der gesteinigt wurde, weil er harte Kritik übte am jüdischen Gesetzesdenken im frühen Christentum. Protestanten haben keine grundsätzlichen Probleme mit Heiligen, so lange man sie als Vorbilder im Glauben versteht. Nicht nachvollziehbar ist für sie hingegen, dass Heilige so etwas seien wie Fürsprecher, wie Anwälte der Menschen vor Gottes Thron.

Dass zu den Heiligen gebetet wird, um bei Gott mehr Gehör zu finden, widerspricht dem evangelischen Glaubensgrundsatz, dass jeder Mensch eine unmittelbare Beziehung zu Gott haben kann. Für den "sanften Reformator" Philipp Melanchthon und den jungen Martin Luther war es noch denkbar, dass Heilige Fürsprecher bei Gott sind, aber immer unter der Voraussetzung, dass der einzige Mittler zu Gott Jesus Christus ist. Für "Abgötterey" hielten die Reformatoren allerdings die Verehrung der Heiligen als diejenigen, die eine eigene Macht haben, die Geschicke des Menschen zu beeinflussen. Luther sprach sehr kritisch über die Bedeutung dieser vermeintlichen "Nothelfer".

Nach evangelischem Verständnis heute bilden Heilige keinen fest umrissenen Kreis an Personen, die zum Beispiel in einem offiziellen Verhandlungsprozess (Heiligsprechungsprozess) im Vatikan den Status als Vorbilder zugesprochen bekommen könnten. Weder müssen Heilige, um diesen Status zu erreichen, bereits tot sein, noch Wunder gewirkt haben noch bedürfen sie einer offiziellen Approbation. Wenn Protestanten von Heiligen sprechen, dann in einem weiten, sehr offenen Sinn: als Zeugen des Glaubens und als von der Gnade Gottes berührte Menschen. So gesehen ist die ganze Kirche eine Gemeinschaft von Heiligen.

H - Herrlichkeit

Traditionell grenzt sich die reformatorische Theologie mit ihrer Kreuzestheologie deutlich von einer theologia gloriae, der scholastisch-spekulativen "Theologie der Herrlichkeit“, ab. Martin Luther, der den Begriff der theologia crucis prägte, stellte den Kreuzestod Christi in den Mittelpunkt von Theologie und Glaubensleben.

Die Sündenerkenntnis der Menschen und die Erlösungstat Christi nehmen darin einen besonderen Stellenwert ein. Die Überbetonung der "Herrlichkeit Gottes“ und seiner Schöpfung (einschließlich der Kirche) hingegen lässt nach reformatorischer Sicht die Macht der Sünde und die Erlösungsbedürftigkeit der Welt in den Hintergrund treten. Triumphalismus statt ehrlicher Sündenerkenntnis: das wäre ein schlechter Tausch. Der zentrale Stellenwert des Kreuzes hat nicht nur in der evangelischen Theologie große Bedeutung erlangt, sondern auch in der Alltagsfrömmigkeit der Protestanten. Von einer Theologie der Herrlichkeit kann man dies nicht sagen.

Bin ich nicht gut, so ist doch Christus gut. Bin ich nicht Gottes Diener, so ist er doch Gottes Diener.

Martin Luther

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