E - Ehelosigkeit

Die ehelosen Priester und Ordensleute galten im Mittelalter als ein besonderer geistlicher Stand. Einen solchen Klerikerstand lehnen die evangelischen Kirchen ab, weil er dem Neuen Testament widerspricht. Die Lehre vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen wie sie Luther formulierte, lässt keinen durch die Ordination begründeten, wesentlichen Unterschied von Laien und Klerikern zu – und macht damit auch das Standeskennzeichen der Ehelosigkeit überflüssig. Mehr noch, betonte Luther sogar die Bedeutung des "Ehestandes".

Im "Traktat vom ehelichen Leben" (1522) lobt Luther das eheliche Leben als von Gott gewollten Stand, in dem die Erfahrung der Nähe Gottes und seiner vergebenden Gnade auf besondere Weise zu erfahren ist. "Es ist ein ganz kostbares Ding, wenn einer in dem Stand ist, den Gott eingesetzt hat, und worin Gottes Wort und Wohlgefallen ist, wodurch alle Werke, alles Wesen und Leiden solchen Standes heilig, gottgefällig und kostbar werden…" (Martin Luther Schriften, hg. Karin Bornkamm, Bd. 3, 191) Mit den asketischen Traditionen der katholischen Kirche brach Luther. Er sah die Sexualität als einen unbezwingbaren Grundtrieb des Menschen, der dem Menschen von Gott eingepflanzt ist. Er gehört zu Gottes Schöpferwerk.

Zwar blieb Luther in seiner Eheauffassung noch durch die Lehre des Kirchenvaters Augustinus und das Mittelalter bestimmt, doch er geht neue Wege. Er spricht von der Ehe als einem "weltlich Ding", meint damit aber keineswegs, dass die Ehe ins Belieben der Menschen gestellt wäre. Für Luther ist sie ein Ort irdischer Bewährung des Kreuzes und der Liebe – in und unter dem "weltlichen Regiment". Demnach kommt dem öffentlichen Verlöbnis vor der Obrigkeit ehestiftende Bedeutung zu, die Kirche aber schärft die Verantwortung für diesen weltlichen Stand und versucht, aller Leichtfertigkeit zu wehren. Luthers Eheratschläge sind daher weitgehend praktisch-seelsorgerlich gewesen.

Unabhängig davon gibt es in der evangelischen Kirche durchaus Gruppen, die bewusst ehelos leben: Diakonissen, die sich zur Ehelosigkeit verpflichtet haben, Mitglieder von christlichen Gemeinschaften (wie zum Beispiel der ökumenischen Jesus-Bruderschaft in Gnadelthal oder Volkenroda) oder Konventualinnen in Damenstiften wie im niedersächsischen Wienhausen.

E - Eifer

Mit Eifer setzte sich Martin Luther für seine Ziele ein, er schenkte sich selbst und seinen Mitmenschen nichts. Seine Persönlichkeit darf man als zielstrebig und selbstsicher sehen. Wenn er etwas als richtig erkannt hatte, dann folgte er dieser Auffassung mit einer gewissen Konsequenz. Dennoch war er keineswegs ein durch und durch rationaler Denker. Er bewegte sich stets zwischen zwei Polen: zwischen Vernunft und Frömmigkeit. Es gibt viele Äußerungen von ihm gegen das Denken und die Arbeitsweise von Thomas von Aquin und Scholastik, wo die Vernunft einen hohen Stellenwert einnimmt. Demgegenüber akzentuierte er oft, wie wichtig die persönliche Aufnahme eines biblischen oder theologischen Gedankens ist. Hans-Martin Barth, der Marburger Lutherforscher, schreibt: "Luther ging es, wenn er es auch anders ausdrückte, nicht um 'Aufklärung‘, sondern um 'Erleuchtung‘“ (in: Die Theologie Martin Luthers, Eine kritische Würdigung, Gütersloh 2009, Seite 130). Es gibt auch zahlreiche polemische Äußerungen Luthers gegen Vernunft und Philosophie. Für den Reformator sind theologische Erkenntnisse immer auch existenzielle Einsichten. Es ist sein Interesse am Menschen und an seinem Heil, das ihn Theologie mit übergroßem Eifer treiben lässt.

Anfechtungen sind Umarmungen Gottes.

Martin Luther

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